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Kreuzzug
Die Kreuzzüge der christlichen Völker des Abendlands waren religiös motivierte Feldzüge, die ursprünglich der Befreiung Jerusalems und des Heiligen Landes Palästina aus der Hand der „Ungläubigen“ dienen sollten, nachdem die Muslime unter dem Kalifen al-Hakim die Grabeskirche zerstört hatten. Sie wurden nach kurzer Zeit aber auch zur reinen Machtpolitik genutzt, insbesondere gegen das Byzantinische Reich. Schon bald wurde der Begriff Kreuzzug nicht nur auf Kriege gegen Nichtchristen anderer Länder ausgeweitet, sondern auch gegen von der Kirche als Ketzer betrachtete Menschen (siehe Albigenser), was dem Papsttum eine starke politische Waffe in die Hände gab - wobei der religiöse Aspekt, besonders bei den Kreuzzügen in den Osten, trotzdem nicht unterschätzt werden darf. So waren nach der Einnahme Jerusalems 1099 die Gefallenen als Märtyrer gefeiert worden.
Ein Kreuzzug war zugleich Bußgang und Kriegszug, der nach Auffassung der (nicht orthodoxen, katholisch christlichen) Zeitgenossen direkt von Gott durch das Wort des Papstes verkündet wurde. Dabei legten die Teilnehmer ein rechtsverbindliches Gelübde ab, ähnlich wie bei einer Pilgerfahrt. Die Kreuzzüge waren sehr populär, was auch die große Teilnehmerzahl und die fast nicht vorhandene christliche Kritik daran erklärt. Zudem muss beachtet werden, dass die offiziell verkündeten Kreuzzüge (darunter fallen beispielsweise nicht die Abwehrkämpfe der Kreuzfahrerstaaten im Outremer) als Angelegenheit der gesamten abendländisch-katholischen Christenheit begriffen wurden und die Kreuzfahrerheere daher in der Regel aus Rittern aus ganz Europa bestanden.
Grundlage für die Kreuzzüge war aus christlicher Sicht der Gedanke des "gerechten Krieges" (bellum iustum), wie er von Augustinus von Hippo vertreten worden war. Dies bedeutete später, dass der "gottgefällige Krieg" nur von einer rechtmäßigen Autorität verkündet werden konnte (wie dem Papst), es musste ein gerechter Kriegsgrund vorliegen (wie die ungerechte Behandlung von Gläubigen) und schließlich musste der Krieg für gute Absichten (wie der göttlichen Liebe) geführt werden.
Motive der Kreuzritter und Situation vor den Kreuzzügen
Die Motive der Kreuzfahrer reduzierten sich keineswegs nur auf religiösen Eifer; vielmehr handelten sie aus vielschichtigen Gründen, die sich zudem im Laufe der Zeit wandelten. Es handelte sich dabei um:
Religiöse Motive
Aufbauend auf den Kreuzzugsaufruf Papst Urbans II. auf der Synode von Clermont im Jahr 1095 („Deus lo vult“ - Gott will es) waren viele Kreuzfahrer überzeugt, durch die Vertreibung der Nichtchristen aus dem Heiligen Land Gottes Wille zu erfüllen und die Erlassung aller ihrer Sünden zu erreichen. Dies muss vor dem Hintergrund christlicher Berichte über Greueltaten der islamischen Machthaber gegen die christliche Bevölkerung des heiligen Landes gesehen werden und der Verwüstung christlicher Stätten, beispielsweise der Grabeskirche 1009 in Jerusalem. Die religiösen Motive traten im Laufe der Zeit in den Hintergrund - besonders deutlich wird das bei der Eroberung und Plünderung der christlichen Stadt Konstantinopel im Vierten Kreuzzug. Bezüglich der Kreuzzüge in den Orient verschwanden sie jedoch nie ganz.
Verhältnis zum Islam und zur Orthodoxie
Ein wesentliches außenpolitisches Problem für die christliche Welt stellte der Islam dar, der in seinem Streben westwärts zunächst in der Mitte des 7. Jahrhundert das christliche Byzantinische Reich angriff. Byzanz verlor die seit dem monophysitischen Schisma in religiösem Gegensatz zu den griechischen und lateinischen Reichsgebieten stehenden semitischen Provinzen Syrien und Ägypten binnen weniger Jahre an die Araber, die dort als Befreier begrüßt wurden, behauptete jedoch das griechisch geprägte Kleinasien. Das westliche Nordafrika leistete bis zum Ende des 7. Jahrhunderts gegen die Araber Widerstand, während das spanische Westgotenreich dann um 700 binnen weniger Monate unter dem Arabersturm zusammenbrach, so dass der Arabersturm im Westen erst durch das Frankenreich gebrochen wurde.
Nachdem das byzantinische Reich durch die Langobarden 751 schon aus Mittelitalien verdrängt worden war (Fall des Exarchats Ravenna) war das Byzantinische Reich Anfang des 8. Jahrhunderts hauptsächlich auf das orthodoxe Kernland Kleinasien, die Küsten des Balkans und Süditalien beschränkt.
In der Folgezeit fand das Reich im 9. und 10. Jahrhundert zu einem modus vivendi mit den Arabern, der sogar in militärische Bündnisse mit einzelnen arabischen Staaten mündete.
Dem militärischen Wiederaufstieg um das Jahr 1000 folgte ein innerer Niedergang. Mit dem islamischen Turkvolk der Seldschuken betrat gleichzeitig aber eine neue, expansive Macht die politische Bühne des Nahen Ostens, die sich auf Kosten der Araber und Byzantiner ausdehnte. Dies führte 1071 für die Byzantiner zur militärischen Katastrophe in der Schlacht von Mantzikert gegen die Seldschuken, die den Beginn der türkischen Landnahme in Anatolien markiert.
Kleinasien überließ der byzantinische Kaiser Alexios I. Komnenos wegen der Abwehr der normannischen Invasion von Epiros und Makedonien (mit dem Ziel der Eroberung von Konstantinopel) schließlich 1085 gegen einen Lehnseid bis auf wenige Stützpunkte vollständig den Seldschuken, um nicht zwischen zwei Gegnern aufgerieben zu werden.
Nach dem Sieg über die Normannen bat Alexios dann den Papst um Unterstützung zur Rückeroberung des kleinasiatischen Reichsgebiets, das inzwischen in mehrere türkische Emirate zersplittert war, die die byzantinische Diplomatie gegeneinander ausspielte.
Dass im Islam eine große Gefahr nicht nur für das byzantinische Reich gesehen wurde, erklärt den großen militärischen Aufwand aller christlichen Mächte der damaligen Zeit. Schließlich grenzte das islamisch-arabische Machtgebiet an den Pyrenäen an Frankreich, fast alle Mittelmeerinseln und Teile Süditaliens waren zeitweise von Arabern besetzt und wurden auch nach Rückeroberung immer wieder von ihnen angegriffen. Das oströmische Sizilien wurde ab 827 von den Arabern erobert, dann von den Normannen, bis es 1189 an Heinrich VI. fiel, wodurch das Reich der Staufer ebenfalls direkt an den islamischen Machtbereich grenzte.
Das morgenländische Schisma von 1054 belastete von Beginn der Kreuzzüge an das Verhältnis zwischen orthodoxen und katholischen Christen. Der Anblick einer Moschee in Konstantinopel durch das Heer des ersten Kreuzzugs trug auch nicht zur Vertrauensbildung bei. Die Kreuzzüge richteten sich daher zunehmend nicht nur gegen den Islam, sondern gleichzeitig auch immer mehr gegen das orthodoxe Byzanz.
Dennoch blieb der religiös motivierte Kreuzzugsgedanke auch in der Folgezeit eine immer wiederkehrende Komponente der europäischen Politik, die man aber nach 1450 nicht mehr allzu hoch ansetzen darf. So wurde zwar eine Militärexpedition erwogen, um Konstantinopel im Jahr 1453 gegen Sultan Mehmed II. zu verteidigen, doch startete diese halbherzige Expedition reichlich spät im April 1453 - der Sultan begann aber bereits im Frühjahr 1452 mit den baulichen Vorbereitungen einer Belagerung und machte aus seinen Absichten keinerlei Geheimnis.
Ob man die konzertierte militärische Hilfe christlicher Mächte wie z.B. das Deutsche Reich und Polen bei der Verteidigung Wiens 1683 gegen die Türken in die Kreuzzugstradition stellen darf, ist fraglich. 1544 kam es nämlich zu einem wenige Jahrzehnte zuvor noch unvorstellbaren Ereignis: Frankreich, der Papst und das osmanische Reich schlossen ein Bündnis gegen das Habsburgerreich. Damit vermochte jedermann klar zu erkennen, dass es mit dem Kreuzfahrergeist zu Ende war (Steven Runciman in Die Eroberung von Konstantinopel 1453.)
Als Kreuzzug im engeren Sinn werden jedoch ohnehin nur militärische Expeditionen nach Palästina bezeichnet.
Wirtschaftliche Faktoren und Spannungsfeld zwischen Rom und Konstantinopel
Steven Runciman
Der abendländische Adel erhoffte sich durch die Eroberung neue Besitztümer. Auch und gerade traf das auf die jüngeren Söhne des Adels zu, die nicht erbberechtigt waren und nun die Chance sahen, doch über ein eigenes Gebiet zu herrschen. Dies war genauso auch ein Ziel der Kirche, da der Kirchenfrieden (eine päpstliche Regel die streng regelte wann und wie gekämpft werden dürfte, Weihnachten und andere hohe Feiertag waren beispielsweise tabu) immer wieder durch Konflikte, die in erster Linie um Gebietsstreitigkeiten drehten, gestört wurde. So waren die Kreuzzüge auch willkommene Ventile für die überzähligen Söhne die nicht im Kloster oder im Klerus untergebracht werden konnten oder wollten.
Wirtschaftlich profitierten auch die italienischen Seerepubliken (Genua, Pisa, Venedig und andere) vom Handel mit dem Orient. So wurde auch kurzzeitig überlegt einen Kreuzzug zur Sicherung der Gewürzstraße durchzuführen. Diese Idee wurde allerdings recht bald wieder fallengelassen.
Das Papsttum versprach sich von der Kontrolle über das Heilige Land eine massive Stärkung seiner Machtposition. Letztlich haben die Päpste wohl auch auf die Wiedervereinigung mit der bzw. auf die Kontrolle über die Ostkirche gehofft. Daneben dominierten mit Beginn des 4. Kreuzzuges auch wirtschaftliche Interessen. Das beste Beispiel für dieses Motiv ist wohl der vierte Kreuzzug selbst, der von der Handelsmetropole Venedig nach Konstantinopel umgeleitet wurde (Plünderung durch das Kreuzfahrerheer, Abtransport der Beute nach Venedig), um den Handelskonkurrenten auszuschalten. Hier zeigt sich die vollständige Pervertierung des ursprünglichen, religiösen Kreuzzugsgedankens einerseits, andererseits auch ein Grund für die immer geringere Wirkung der Kreuzzüge in der Verteidigung des oströmischen Reichs.
Überblick: Begriff und Zeitachse
Im engeren Sinne versteht man unter Kreuzzügen nur die Orientkreuzzüge. Daneben gab es folgende Arten von Kreuzzügen:
- gegen Heiden (Wenden, Finnen, Balten),
- gegen Ketzer (Katharer, Albigenser),
- gegen die Ostkirche,
- gegen Aufständische (Stedinger),
- gegen politische Gegner (Papst Bonifatius VIII. gegen die Colonna 1297/98, England 1066, Ludwig von Bayern).
Der Kreuzzug in seiner ursprünglichen Form hatte die Befreiung Jerusalems zum Ziel und war ein gesamteuropäisches Unternehmen, das auch passagia generalia genannt wird. Aus dieser entwickelte sich die passagia particularia, die sich gegen jeden anderen Ort wenden konnte.
Der Begriff „Kreuzzug“ wurde erst im 13. Jahrhundert geprägt, davor finden sich lediglich die Begriffe „bewaffnete Pilgerfahrt“ und „bewaffnete Wallfahrt“.
Neben den eigentlichen Kreuzzügen gab es noch den Katharer- oder auch Albigenserkreuzzug, der in Südfrankreich stattfand, den Kinderkreuzzug, der für die meisten Beteiligten in der Sklaverei endete, den Feldzug der Deutschordensritter ins Baltikum 1225 und diverse andere Feldzüge, z. B. gegen nicht-christliche Völker wie Türken oder Mongolen, die zum Teil bis ins 15. Jahrhundert dauerten.
Auch Kriege gegen machtpolitische Gegner wurden von mittelalterlichen Herrschern mitunter als Kreuzzug propagiert, um eine Infragestellung der Notwendigkeit des Kriegs zu verhindern, um Verbündete zu gewinnen und um Plünderungen und Übergriffe auf Zivilisten zu legitimieren.
Für manche Herrscher war der Aufruf zu einem Kreuzzug außerdem ein Mittel, um für sie problematische Gesellschaftsgruppen loszuwerden. So folgten zahlreiche Obdachlose, verarmte oder in der Erbfolge nicht berücksichtigte Adlige und auch Gesetzlose diesen Aufrufen, weil sie sich in Palästina ein neues Leben, religiöse Erfüllung oder Beute erhofften.
Ein bleibendes Erbe der Kreuzzüge waren die Ritterorden, eine Art kämpfende Mönchsorden.
Zeitleiste
:Erster Kreuzzug: 1096 - 1099 Ziel: Jerusalem
:: Volkskreuzzug
:: Deutscher Kreuzzug
:: Kreuzzug von 1101
:Zweiter Kreuzzug: 1147 - 1149 Ziel: Jerusalem
::Wendenkreuzzug: 1147
:Dritter Kreuzzug: 1189 - 1192 Ziel: Jerusalem
:Vierter Kreuzzug: 1202 - 1204 Ziel: Konstantinopel
::Kinderkreuzzug: 1212
:(Fünfter) Kreuzzug: 1217 - 1221 Ziel: Ägypten
::Albigenserkreuzzug: 1209 - 1229 Ziel: Jerusalem
:Fünfter (Sechster) Kreuzzug: 1228-1229
:Sechster (Siebter) Kreuzzug: 1248-1254 Ziel: Ägypten
:Siebter (Achter) Kreuzzug: 1270 Ziel: Tunis
:Aragonesischer Kreuzzug: 1284-1285
:Kreuzzug gegen Alexandria: 1365 unter König Peter I. von Zypern
:Kreuzzug von Nikopolis: 1396
Im 14. Jahrhundert fanden über 50 Kreuzzüge gegen die damals heidnischen Pruzzen und Litauer statt. Diese vom Deutschen Orden organisierten Feldzüge wurden auch als „Reisen“ bezeichnet.
Im 15. Jahrhundert fanden vier Kreuzzüge gegen die Hussiten statt.
Von 1443 bis 1444 fand ein meist als letzter Kreuzzug eingestufter Feldzug gegen das Osmanische Reich statt, der in der Schlacht bei Warna scheiterte.
Geschichte
Schlacht bei Warna
Zu einer detaillierteren Beschreibung siehe die jeweiligen Kreuzzüge.
Aufgrund der Bedrängung des Byzantinischen Reiches durch die muslimischen Seldschuken infolge der byzantinischen Niederlage in der Schlacht von Mantzikert 1071, hatte der byzantinische Basileus Alexios I. Komnenos im Westen um Hilfe angefragt. Papst Urban II. hatte 1095 denn auch auf der Synode von Clermont zum ersten Kreuzzug aufgerufen, um die heiligen Stätten der Christenheit zu befreien. Eine religiöse Begeisterung wurde hervorgerufen, die teils aber auch erschreckende Züge annahm: So wurden im Rheinland mehrere jüdische Gemeinden von Christen regelrecht vernichtet, und sogar einfache Leute machten sich mit Peter dem Einsiedler auf ins Heilige Land (so genannter Volkskreuzzug) - sie sollten es jedoch nie erreichen.
Als die verschiedenen Kreuzfahrerheere Ende 1096 Konstantinopel erreichten, traten weitere Probleme auf: Obwohl die Byzantiner mitnichten beabsichtigt hatten, einen Kreuzzug hervorzurufen (sie hatten vielmehr auf Söldner aus Europa gehofft) und den Kreuzfahrern auch teils misstrauten - manche von ihnen, wie die unteritalienischen Normannen, hatten zuvor gegen Byzanz gekämpft - , unterstützte Alexios sie zunächst, zumal sie ihm einen Treueeid geschworen hatten und die Kreuzfahrer ebenfalls auf den Kaiser angewiesen waren. Im Frühjahr 1097 machten sich das Heer auf dem Weg, und bald schon stellten sich erste Erfolge ein, wie die Eroberung von Nikaia, welches vertragsgemäß an die Byzantiner übergeben wurde. Nach schweren Kämpfen, unter anderem bei der Einnahme Antiochias, endete dieser Kreuzzug mit der Eroberung Jerusalems im Juli 1099, bei der es zu blutigen Massakern an den verbliebenden Bewohnern kam - ungeachtet der Religionszugehörigkeit. Es folgte die Entstehung christlicher Reiche im so genannten Outremer. Byzanz hatte zwar Teile Kleinasiens zurückgewonnen, stand dieser Entwicklung im Heiligen Land jedoch mit Misstrauen gegenüber, was bald auch zu Kämpfen mit dem Fürstentum Antiochia führte.
Diese so genannten Kreuzfahrerstaaten erwiesen sich auf Dauer jedoch dem moslemischen Druck als nicht gewachsen: Die meisten Adligen waren bereits nach dem Fall Jerusalems wieder abgereist, und zurückgeblieben war keineswegs nur die Elite. Die Kreuzfahrerstaaten waren denn aufgrund der geringen katholisch-christlichen Bevölkerungsanzahl (wo die Mehrheit der Bevölkerung christlich war, war sie aber nicht katholisch, etwa in Syrien) auch auf Nachschub aus Europa angewiesen, was diesen Staaten einen gewissen "kolonialen" Charakter verlieh. Andererseits kam es zu einem durchaus bemerkenswerten Wandel im Verhältnis zwischen Christen und Moslems: Fortan lebten sie in der Regel durchaus friedlich zusammen, den Moslems wurde in Grenzen eine freie Religionsausübung gestattet, ebenso eine gesonderte Gerichtsbarkeit zugestanden. Auch gegenüber den anderen christlichen Konfessionen verhielten sich die katholischen "Franken" (so wurden die Kreuzritter vor allem in arabischen Quellen genannt) durchaus tolerant. Diese Entwicklung war ebenfalls eine direkte Konsequenz der zu geringen Zahl der zurückgebliebenen Kreuzfahrer, die ansonsten den eroberten Raum nicht zu kontrollieren vermochten - was aber ohnehin nur in gewissen Grenzen möglich war. Auch die Juden hatten in den Kreuzfahrerstaaten eine wesentlich bessere Stellung als in Europa und wurden im Outremer, wieder anders als in Europa, nach der Eroberung Jerusalems auch nie das Opfer von Pogromen.
Auch wenn es den Kreuzfahrern teils sogar gelang, die verfeindeten moslemischen Reiche, die sie umgaben, gegeneinander auszuspielen (die Fatimiden in Ägytpen waren den Türken beispielsweise feindlich gesonnen), so war die militärische Situation doch immer äußerst schwierig. Der letztendlich erfolglose zweite Kreuzzug (1147-1149) hatte bereits das Ziel, die bedrängten Kreuzfahrerstaaten (nach dem Fall der Grafschaft Edessa) zu entlasten. Nach der Schlacht von Hattin 1187, in der faktisch das gesamte militärische Aufgebot des Königreichs Jerusalem geschlagen worden war, fiel gar Jerusalem wieder in ihre Hände. Die nachfolgenden Kreuzzüge, die diese Entwicklung umkehren sollten, hatten wenig Erfolg, teils aufgrund unzureichender Planung oder strategischer Fehler, teils aufgrund der Uneinigkeit bei der Führung des Oberkommandos: Wie etwa beim dritten Kreuzzug, wo der Hauptteil des Heeres aus Franzosen und Engländern bestand, die sich feindlich gesonnen waren.
Der vierte Kreuzzug endete gar mit der Eroberung und Plünderung Konstantinopels, der damals größten christlichen Stadt der Welt, durch Kreuzritter, die damit den Schiffstransport durch die Flotte Venedigs „bezahlten“; der Papst, der sich angesichts der Gräueltaten der Kreuzfahrer im Klaren war, dass damit eine Kirchenunion mit der Orthodoxie praktisch unmöglich wurde, verurteilte denn diese Aktion auch auf das Schärfste, was jedoch faktisch ohne Wirkung blieb.
Die Republik Venedig hatte somit ihren größten Konkurrenten im Orienthandel dauerhaft geschwächt, der Nimbus der Kreuzzüge nahm damit jedoch dauerhaft Schaden, zumal in diesem Zusammenhang das Byzantinische Reich von einer intakten Großmacht zu einer (nach der Rückeroberung Konstantinopels 1261) Regionalmacht degradiert wurde. Außerdem wurde das Verhältnis der orthodoxen Völker zu Westeuropa für Jahrhunderte schwer belastet. So wandten sich die Russen fast vollständig von Europa ab.
Die Kreuzzüge hatten damit jedoch auch endgültig ihren ursprünglichen Charakter, der in der Rückeroberung des Heiligen Landes lag, verloren. Allerdings verlor man dieses Ziel nie ganz aus den Augen, auch wenn alle weiteren Versuche - vom diplomatischen Erfolg des Stauferkaisers Friedrich II. während des fünften (bzw. nach anderer Zählung sechsten) Kreuzzugs abgesehen - keinen Erfolg hatten oder sogar in militärischen Katastrophen endeten.
Der Albigenserkreuzzug (1209-1229) und andere, ähnlich geartete Unternehmen gegen Christen trugen aber mit dazu bei, dass die Kreuzzüge auch oft nur als eine politische Waffe des Papsttums begriffen wurden. Demgegenüber trugen die "Kreuzzüge" der Reconquista auf der iberischen Halbinsel bereits quasi-nationale Züge.
Die Kreuzzüge in die Levante endeten 1291 mit dem Fall von Akkon, der letzten Kreuzfahrerbastion. Die Kreuzzüge in das Baltikum (die vor allem der Missionierung dienten und dabei aber auch von den teilnehmenden Adligen als "gesellschaftliches Ereignis" begriffen wurden) gingen jedoch bis ins 14. Jahrhundert weiter.
Auch nach dem Ende des Mittelalters wurden immer wieder Militäraktionen als Kreuzzüge deklariert (so der Versuch einer Invasion Englands durch den katholischen König von Spanien, Philipp II., und auch die Schlacht von Lepanto wurde von einer so genannten "Kreuzzugsliga" geführt). Das Papsttum unternahm noch im 17. Jahrhundert ähnliche Anläufe, denen aber bestenfalls nur vorübergehende Erfolge beschieden waren.
Moderne Kreuzzüge
Im Zwanzigsten Jahrhundert bezeichnete der evangelikale Massenprediger Billy Graham seine Großveranstaltungen, u. a. zur Truppenbetreuung im Vietnamkrieg, als Crusades, engl. für Kreuzzüge.
Auch sind Ähnlichkeiten zum Ersten Weltkrieg zu erkennen in welchem Militärprediger enthusiastisch den "heiligen deutschen Krieg" feierten, die Zeit des Krieges sei eine "heilige Zeit", während von deutschen Soldaten "heiligstes Blut" vergossen werden sollte. Dieser "große, heilige Krieg" solle dem Guten zum Sieg gegen das Böse verhelfen.
Wichtige Persönlichkeiten
Papst Urban II.,
Bernhard von Clairvaux,
Balduin von Boulogne,
Friedrich I. Barbarossa,
Richard I. Löwenherz,
Konrad von Montferrat,
David IV. der Erbauer,
Zengi,
Nur ad-Din,
Saladin (Salah ad-Din).
Siehe auch
- Kreuzfahrerstaaten
- Liste von Kreuzfahrerburgen
- Ritterorden
Quellen
Die Chronisten des Ersten Kreuzzugs auf christlicher Seite
- Albert von Aachen
- Robert der Mönch
- Der Autor der Gesta Francorum
- Raimund von Aguilers: ein Kleriker aus Frankreich, stand dem Anführer der Provenzalen (Südfranzosen) Raimund von Toulouse nahe.
- Fulcher von Chartres: ebenfalls Kleriker, politisch aber weit besser informiert als seine Kollegen, stand Papst Urban II. und seiner Reformpolitik nahe. Er beendete seine Niederschrift um 1100.
- Anna Komnene: Tochter des byzantinischen Kaisers Alexios I., nannte die Kreuzfahrer Hoi Keltoi (Kelten). Beendete ihre Niederschrift um 1118.
- Lambert von Arras: schrieb sehr detailliert über die Dekrete von Clermont.
- Wilhelm von Tyrus
- Ekkehard von Aura
- Odo von Deuil
- Gottfried von Villehardouin
- Jean de Joinville
Die Chronisten auf muslimischer Seite
- Ibn al-Qalanisi
- Kamal ad-Din: lebte im 13. Jahrhundert nach Christus und war wohl einer der Schriftgelehrten am Hofe des Kalifen von Syrien. Er schrieb die Sahne der Geschichte Aleppos und benutzte dabei auch verschollene Quellen, die für uns von großer Bedeutung sind.
- Ibn al-Atir
- Ussama Ibn Munqidh
- Abu Sama
- Abu l-Fida
- Maqrizi
- Abu l-Mahasin Ibn Taghribirdi
Literatur
Weiterführende Informationen zu diesem Thema: Kreuzzug/Bibliografie
- Peter Milger: Die Kreuzzüge. Krieg im Namen Gottes, München 52000. ISBN 3-572-01169-8 Das Buch wendet sich den interessierten Laien, der eine reichlich illustrierte und flüssig geschriebene Übersicht möchte. Es ist das Begleitbuch zu einer Fernsehserie des Hessischen Rundfunks.
- Steven Runciman: Geschichte der Kreuzzüge, München 32001. ISBN 3-423-30175-9 Standardwerk aus den 50er Jahren, auf hohem literarischen Niveau verfasst. Teils jedoch romantisierend.
- Hans Eberhard Mayer: Geschichte der Kreuzzüge, 10. Aufl., Stuttgart 2005. ISBN 3-170-18679-5 Bewährtes Standardwerk.
- Peter Thorau: Die Kreuzzüge, München 2004. ISBN 3-406-50838-3 Knappe und günstige Einführung.
- Amin Maalouf: Der Heilige Krieg der Barbaren. Die Kreuzzüge aus der Sicht der Araber., München 2003 (dtv 34018).
- [http://www.unf.edu/classes/crusades/crusadesbibliography.htm Hier] findet sich eine umfangreiche Bibliographie, erstellt von Prof. Halshall, University of North Florida.
Weblinks
- [http://digicoll.library.wisc.edu/History/subcollections/HistCrusadesAbout.shtml Das Standardwerk von Setton, A History of the Crusades frei zugänglich !]
- [http://www.doaks.org/LACR.html Laiou/Mottahedeh (Hgg.), The Crusades from the Perspective of Byzantium and the Muslim World]
- [http://www.fordham.edu/halsall/sbook1k.html Quellenauszüge (englisch)]
- [http://www.ku.edu/kansas/med/crusades.html Linkliste (Teil der Virtual Library History)]
- [http://www.welt.de/data/2004/09/18/333532.html Die Thematisierung der Kreuzzüge im Orient]
als:Kreuzzug
ja:十字軍
ko:십자군
simple:The Crusades
th:สงครามครูเสด
Jerusalem
Jerusalem (arabisch: al-Quds (asch-Scharif), القدس; hebräisch: Jeruschalajim, ירושלים) ist die Hauptstadt von Israel. Jerusalem ist eine der ältesten Städte der Welt und wahrscheinlich seit 5000 Jahren durchgehend bewohnt. Die Stadt war zwischen 1948 und 1967 geteilt in Westjerusalem, das von Israel annektiert wurde, und das mehrheitlich von Arabern bewohnte Ostjerusalem, das bis zum Sechstagekrieg von Jordanien annektiert war. Der Gegensatz zwischen Moderne und Antike ist in dieser Stadt mit ihrer multikulturellen und multiethnischen Bevölkerung besonders sichtbar. Die Altstadt ist von einer Mauer umgeben und hat vier Teile: das Jüdische Viertel, das Christliche Viertel, das Armenische Viertel und das Muslimische Viertel.
Antike
- Fläche: 126,4 km²
- Einwohner: 704.900 (Stand: 1. Januar 2005)
- Bevölkerungsdichte: 5.577 Einwohner/km²
- Höhe: 606–826 m ü. NN
- Telefonvorwahl: 02
- Geografische Lage: 31°47' nördl. Breite, 35°13' östl. Länge
- Bürgermeister: Uri Lupolianski
Status als Hauptstadt Israels
Im Jahre 1980 verabschiedete die Knesset ein Gesetz, das Jerusalem zur „ewigen und unteilbaren Hauptstadt“ Israels erklärte. Dieses Gesetz wurde eines der Grundgesetze des Staates.
Bis 2004 haben nur zwei Staaten, nämlich Costa Rica und El Salvador, ihre Botschaften in Jerusalem (dies seit 1984), aber es befinden sich Generalkonsulate der Staaten Griechenland, Großbritannien und USA dort.
Alle Staatsgewalten haben ihren Sitz in Jerusalem. Der Sitz des Präsidenten ist hier genauso wie der der Legislative, Judikative und Exekutive.
Geografie
Geografische Lage
Jerusalem liegt auf 31° 46' 45" nördlicher Breite und 35° 13' 25" östlicher Länge auf dem Südausläufer eines Plateaus. Benachbarte Orte sind Betlehem und Bait Dschala im Süden, Abu Dis im Osten und, in einiger Entfernung, Ramallah im Norden.
Klima
In Jerusalem ist es im Sommer trocken und heiß und im Winter kühl und feucht. Im Jahresmittel fallen circa 500 Millimeter Niederschlag, die Durchschnittstemperatur beträgt im Januar 10 Grad Celsius und im August 24 Grad Celsius. Gelegentlich fällt im Winter auch Schnee (circa alle zwei bis drei Jahre). Im Frühling und Herbst tritt oft ein heißer Wüstenwind, der Sharav (hebr.) oder Chamsin (arab.) auf.
Geschichte
Frühgeschichte
Chamsin
Die Existenz Jerusalems als kanaanäischen Stadtstaat ist durch ägyptische Quellen seit dem 18. Jahrhundert v. Chr. als „Uruschalim" belegt. Der Name Uruschalim/Jerusalem (nach der Bibel vor der Eroberung durch David Salem oder Jebus) bedeutet „Stadt des Schalim„ oder “Stadt des Friedens". Schalim war ein kanaanitischer Gott der Abenddämmerung. Shalom bedeutet im Hebräischen, Salam im Arabischen Frieden. Gegen Ende des 2. Jahrtausends v. Chr gehörte die Stadt nach dem biblischen Bericht den Jebusitern.
Der jüdischen Bibel nach eroberte König David Jerusalem von diesen um das Jahr 997 v. Chr., er machte sie zur „Davidsstadt" und zum politischen und religiösen Mittelpunkt des Israelitenreiches. Für die jüdische Religion und Kultur ist Jerusalem seitdem Zentrum und Hauptstadt. Sein Sohn, König Salomo (um 969–930), erbaute einen Palast und einen ersten Tempel für Jahwe. Der Tempelberg ist heute der islamischen Waqf unterstellt, Ausgrabungen sind dort nicht möglich. Der Waqf erstellt illegalerweise eine neue Moschee in den sogenannten Ställen Salomos. Bei diesen Bauarbeiten werden unkontrolliert Überreste der beiden jüdischen Tempel zerstört.
Jahwe
Nach Salomos Tod 926 v. Chr. wurde Jerusalem die Hauptstadt des israelitischen Südreiches Juda.
Königin Atalja (845–840) entweihte den Tempel und führte im Tempel den Baalskult ein, und unter König Ahas (741–725) wurden auch assyrische Götter verehrt. Erst Hiskija (725–697) reinigte den Tempel wieder und sicherte die Stadt durch Mauern und einen Tunnel zur Wasserversorgung. Joschija machte 628 v. Chr. Jerusalem zur alleinigen legitimen israelitischen Kultstätte.
In verschiedenen Geschichtswerken wird – unter Benutzung babylonischer Quellen – angeführt, dass Nebukadnezar II. die Stadt im Jahre 586 v. Chr. eroberte und den Tempel zerstörte. Beachtet man allerdings die ausführliche Chronologie der Bibel, fällt diese Einnahme in das Jahr 607 v. Chr, vergleiche auch die Jerusalem-These Kamal Salibis. Nach der Rückkehr der jüdischen Oberschicht wurde der Tempel neu erbaut (Nehemia).
Unter römischer Herrschaft wurde der von Herodes dem Großen erbaute zweite Tempel im Jahre 70 n. Chr. durch Titus zerstört. Konstantin erklärte Jerusalem schließlich zur christlichen Stadt.
Nach der römischen Herrschaft
Konstantin
Nach einer kurzen Besetzung durch die Perser (614–628) eroberte der oströmische Herrscher Heraclius die Stadt zurück. Im Jahre 637 eroberten Araber die Stadt. Die Stadt wurde freiwillig von christlichen Nonnen übergeben, sodass die Stadt kampflos übernommen wurde. Während der Kreuzzüge eroberten christliche Kreuzritter unter Gottfried von Bouillon 1099 Jerusalem und richteten dort ein Blutbad unter Muslimen und Juden an. Innerhalb von drei Tagen wurden bis zu 70.000 Bewohner getötet.
Im Jahre 1187 gelang es Saladin (arabisch: „Salah ad-Din Yusuf ibn Ayub“), dem kurdischstämmigen Sultan von Ägypten, Jerusalem zu erobern. Ein kurzes Intermezzo bildete die Herrschaft von Kaiser Friedrich II. von 1229 bis 1244.
Im Jahre 1244 besetzten die Mamluken, eine türkische Söldnerschicht, welche nach dem Tode Saladins die Herrschaft in Ägypten übernommen hatten, die Stadt. Von 1244 bis 1517 wechselten sich Tartaren, Mamluken, Mongolen und Ayybiden in der Herrschaft ab.
Jerusalem hatte damals weniger als 10.000 Einwohner und keine politische Bedeutung. Vollgültige Bürger waren nur die Muslime. Christen und Juden mußten sich durch ihre Kleidung kenntlich machen. Sie durften ihre Religion als Anhänger einer Buch-Religion zwar im allgemeinen ausüben, wurden aber rechtlich in fast allen Lebensbereichen diskriminiert und ausgebeutet. Dennoch existierte immer ein christliches und ein jüdisches Viertel in der Stadt und ein ständiger, wenn auch kleiner Strom von christlichen und jüdischen Besuchern und Pilgern.
Im Jahre 1516 wurden die Mamluken in Syrien von den osmanischen Türken besiegt. Sultan Selim I. (1465–1520) gewann Ägypten, Arabien und Syrien. Jerusalem wurde zum Verwaltungssitz eines osmanischen Sandschaks (Regierungsbezirk). Die ersten Jahrzehnte der türkischen Herrschaft brachten Jerusalem einen deutlichen Aufschwung.
Arabien
Nach 1535 ließ Sultan Süleyman I. (1496–1566) sogar die Befestigungen der Stadt in zum Teil veränderter Linie erneut errichten, so wie sie gegenwärtig zu sehen sind. Durch diese Mauern erhielt die Altstadt ihre heutige Struktur.
Die viel zu großen neuen Mauern um den heiligen Symbolort sollten für die neue Herrschaft ein Zeichen setzen. Jerusalem gewann dennoch in der Folgezeit nicht an Bedeutung. Die korrupte türkische Verwaltung lokaler Herrschaft war sich uneinig in ihrer Haltung gegenüber den Juden und Christen und schwankte zwischen Gewaltherrschaft wie unter Ibn Faruk (1622–1626) und erkaufter Toleranz.
Die verarmten Juden und Christen lebten überwiegend vom Pilgergewerbe. Der Besitz der Heiligtümer Jerusalems war wegen der damit verbundenen Almosen eine lebenswichtige Einnahmequelle. Dies erklärt auch die damals teilweise erbitterten, manchmal sogar gewaltsamen Konflikte unter den christlichen Kirchen um einzelne Besitzrechte.
Ab 1860 kamen durch Alyah (Rückkehr) immer mehr Juden in die Stadt, und es wurden erste Wohngebiete außerhalb der Stadtmauern gegründet. Jerusalem blieb osmanische Stadt, bis sie 1917 von britischen Truppen besetzt wurde, die im Ersten Weltkrieg gegen das Osmanische Reich kämpften.
Jüngere Entwicklungen und derzeitiger Status
Ersten Weltkrieg Ersten Weltkrieg
Schon seit Beginn der Konflikte zwischen Juden und Muslimen war Jerusalem bzw. der Status der Stadt ein zentraler Streitpunkt. Die Vertreter beider Religionsgruppen beanspruchen die Stadt oder zumindest Teile davon als Hauptstadt von Israel bzw. von Palästina.
Ein Versuch, zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen, stellte der Teilungsvorschlag der Vereinten Nationen des Jahres 1947 vor, der vorsah, auf dem Gebiet des heutigen Israels einen vorwiegend jüdischen und einen muslimischen Staat zu schaffen und Jerusalem unter internationale Verwaltung zu stellen. Obwohl der Plan als UN-Resolution 181 von über zwei Dritteln der UN-Vollversammlung angenommen wurde, betrachtete ihn die arabische Seite als einen unzumutbaren Verzicht auf einen Teil des „Dar al Islam“. Die Araber lehnten den Plan ab und griffen ein Tag nach dessen Gründung Israel an.
Nach dem Israelischen Unabhängigkeitskrieg bzw. Palästinakrieg hatte die israelische Armee große Gebiete des Landes erobert; Jerusalem wurde geteilt. Die westlichen Stadtteile fielen an Israel, Ostjerusalem kam mit dem Westjordanland (Judäa und Samarien) unter jordanischer Besatzung. Die jüdische Bevölkerung Ostjerusalems wurde vertrieben, das jüdische Viertel in der Altstadt zerstört, und der Zugang zur Klagemauer als heiligster Ort des Judentums blieb Juden fortan versperrt. Israel erklärte 1950 Jerusalem zur Hauptstadt. Dies wurde von der internationalen Gemeinschaft mit wenigen Ausnahmen nicht anerkannt.
Im Sechstagekrieg (1967) eroberten israelische Fallschirmjäger Ostjerusalem. Zur Schonung von Moscheen und Kirchen verzichtete man dabei auf den Einsatz schwerer Waffen und nahm dafür erhebliche Verluste in Kauf: Von insgesamt rund 800 israelischen Kriegstoten fielen 183 in Jerusalem. Erstmals seit der Staatsgründung konnten Juden dadurch überhaupt wieder an der Klagemauer beten. Anders als die arabische Seite 1949 den Juden verweigerte Israel aber den Moslems grundsätzlich nicht den Zugang zu den heiligen Stätten, sondern unterstellte den Tempelberg einer autonomen moslemischen Verwaltung (Waqf).
Beide Stadtteile und einige Umlandgemeinden wurden am 30. Juli 1980 durch das Jerusalemgesetz zusammengefasst und die Stadt zur untrennbaren Hauptstadt Israels erklärt. Dies ist aus palästinensischer Sicht eines der Haupthindernisse auf dem Weg zum Frieden. Der UN-Sicherheitsrat erklärte die Annexion Ostjerusalems für nichtig (UN-Resolution 478), sie wird daher von der Staatengemeinschaft ganz überwiegend nicht anerkannt, so dass sich alle diplomatischen Vertretungen, mit Ausnahme von Costa Rica und El Salvador, in Tel Aviv befinden.
Jerusalem ist der Sitz der israelischen Regierung, des israelischen Präsidenten, des israelischen Parlamentes – der Knesset, der 1918 gegründeten Hebräischen Universität und der Holocaustgedenkstätte Jad waSchem. 1979 lebten bereits wieder 50.000 Juden in Ost-Jerusalem, 1993 waren sogar schon 160.000. Der Großteil der inzwischen rund 200.000 Juden in und um Jerusalem versteht sich anders als z. B. in Gaza oder Hebron nicht als nationalreligiöse Siedler, sondern ist einfach aufgrund staatlicher Förderung (insbesondere Steuervorteile und infrastrukturelle Investitionen) in diese Gebiete gezogen. Das bekannteste Beispiel für den Siedlungsbau ist die Trabantenstadt Ma'ale Adumin, eine am Reißbrett entworfene Siedlung, die zur Zeit von 50.000 Menschen bewohnt wird. Nach Angaben der „Christian Peacemaker Teams" aus Chicago wurden zwischen 1967 und 1991 in Jerusalem 40.000 neue Häusereinheiten für israelische Juden gebaut, aber nur 555 für Palästinenser. Zudem wurden palästinensische Häuser von Israel zerstört, um Platz für den Sicherheitszaun zu schaffen. Die Palästinenser stellen zwar rund 30 Prozent der Einwohner von ganz Jerusalem, bewohnen aber nur mehr 14 Prozent von dessen Fläche.
Siehe auch: Israelisch-palästinensischer Konflikt, Al-Aqsa-Intifada
Einwohnerentwicklung
Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand.
Al-Aqsa-Intifada
Religion
Al-Aqsa-Intifada
In Jerusalem findet sich eine große Anzahl von Religionen und religiösen Bewegungen. Mission ist in Israel und Jerusalem in jeglicher Form verboten.
Die wichtigsten religiösen Gruppierungen in der Stadt sind die zum jüdischen Spektrum gehörenden Ultraorthodoxen, Orthodoxen, die Gemäßigten und die Reformer sowie die messianischen, das heißt christusgläubigen Juden.
Zum muslimischen Spektrum gehören die Sunniten, Schiiten, Alawiten und Drusen.
Zum christlichen Spektrum gehören die Griechisch-Orthodoxen, Griechisch-Katholischen, Römisch-Katholischen, die Lutheraner, Protestanten, Anglikaner, Armenier, die Russisch-Orthodoxen, Georgisch-Orthodoxen, die Äthiopier und die Altkatholiken.
Jerusalem als heilige Stadt
Jerusalem ist von großer Bedeutung in der Bibel und wird insgesamt über 800-mal erwähnt. Immer wieder steht die Stadt im Mittelpunkt der Heils- und Gerichtsankündigungen des biblischen Gottes, so vor allem bei den Propheten Daniel, Jeremia, Jesaja, Hesekiel, Sacharja und den Psalmen, aber auch in der Offenbarung.
Beispiele:
- Hesekiel 5:5 „So spricht Gott der HERR: Das ist Jerusalem, das ich mitten unter die Heiden gesetzt habe und unter die Länder ringsumher!“
- Joel 4:17 "Und ihr sollt’s erfahren, dass ich, der HERR, euer Gott, zu Zion auf meinem heiligen Berge wohne."
- Psalm 137:5 „Vergesse ich dich, Jerusalem, so verdorre meine Rechte.“
Sowohl die Stadt Jerusalem als auch das Land und Volk Israels stellt die Bibel als Gottes Eigentum dar. Interessant ist diesbezüglich die literarische Darstellung Jerusalems als ein Findelkind, das von Gott aufgezogen wird in Hesekiel 16, ebenso wie die Zusagen Gottes an die Stadt in den Psalmen, die wie Eheversprechen formuliert sind.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Theater
Das bekannteste Theater in Jerusalem ist das Stadttheater.
Museen
Die bedeutendsten Museen in Jerusalem sind das Israel Museum mit dem „Schrein des Buches", das Rockefeller Museum für Archäologie, die Holocaustgedenkstätte Yad Vashem, das Naturhistorische Museum und das Bazabel-Museum für Volkskunst und Folklore.
Bauwerke
Bazabel-Museum]
Die Altstadt von Jerusalem wurde 1981 von der UNESCO zum Weltkulturerbe der Menschheit erklärt. Sie ist seit dem Mittelalter in das armenische Viertel im Südwesten, das christliche im Nordwesten, das jüdische im Südosten und das muslimische Viertel im Nordosten unterteilt und wird von einer aus dem 16. Jahrhundert stammenden, fast vollständig erhaltenen Stadtmauer umgeben. Die Mauer umfasst mehrere Türme sowie acht Tore.
Im christlichen Teil der Altstadt befindet sich das Neue Tor, an der Grenze zum armenischen Teil das Jaffator und zum muslimischen Teil das Damaskustor. In den muslimischen Teil führen das Herodestor und das Stephanstor. Im jüdischen Teil steht das Zionstor; südwestlich davon erhebt sich der Berg Zion mit dem mutmaßlichen Grab König Davids. Östlich der Altstadt liegt der Ölberg mit dem Garten Getsemani.
Den Christen ist die Altstadt von Jerusalem heilig, da sie der Ort der Leidensgeschichte, Kreuzigung und Auferstehung von Jesus Christus ist. Für die Juden ist sie als Hauptstadt des ersten jüdischen Königreiches heilig, für die Muslime, weil sie mit der Himmelfahrt des Propheten Mohammed in Verbindung gebracht wird. Wichtige christliche Stätten sind die auf den Grundmauern einer Basilika aus dem 4. Jahrhundert erbaute Grabeskirche und die Via Dolorosa.
Die circa 400 Meter lange, von den Juden „Westliche Mauer“ genannte Klagemauer ist ein Teil der Stützmauer des Plateaus, auf dem er große Tempel Herodes des Großen stand. Wichtige muslimische Bauwerke auf dem Tempelberg sind heute der Felsendom und die Al-Aqsa-Moschee.
Weitere bedeutende Bauwerke der Stadt sind der Cardo (Säulengang), die Dormitio-Kirche, die Erlöserkirche, die Synagoge des Hadassa-Klinikums mit ihren Chagallfenstern und die Zitadelle.
Im Norden, Westen und Süden der Altstadt breitet sich die Neustadt von Jerusalem aus, die sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt hat. Sie erstreckt sich über die umliegenden Hügel und weiter bis in das wüstenhafte Umland der Stadt. Die modernen Wohn- und Geschäftsgebäude und die breiten Straßen der Neustadt bilden einen starken Kontrast zu den ärmlichen Behausungen und engen Gassen der Altstadt.
In der Neustadt befinden sich die Knesset (das israelische Parlament) und zahlreiche bedeutende staatliche Einrichtungen. Dazu gehören unter anderem das Finanzministerium, das Außenministerium, das Innenministerium und der Sitz des Premierministers.
Wirtschaft und Infrastruktur
Das wirtschaftliche Leben der Stadt Jerusalem basiert zum überwiegenden Teil auf ihrer religiösen und kulturellen Bedeutung sowie auf ihrer Funktion als Verwaltungszentrum. Der Dienstleistungssektor ist dementsprechend gut ausgebaut. Viele Bewohner von Jerusalem sind in der staatlichen und städtischen Verwaltung sowie im Bildungswesen beschäftigt.
Eine eher untergeordnete Rolle spielt demgegenüber das produzierende Gewerbe. Die Industriebetriebe der Stadt stellen unter anderem Glas-, Metall- und Lederwaren, Druckerzeugnisse, Schuhe und Zigaretten her. Die Produktionsbetriebe sind vorwiegend in den äußeren Bezirken von Jerusalem angesiedelt. Der Tourismus ist jedoch der mit Abstand bedeutendste Wirtschaftsfaktor, da die Altstadt ein bedeutendes Ziel für Touristen ist.
Verkehr
Durch die Berglage liegt Jerusalem abseits der wichtigsten Verkehrsströme Israels, die vor allem in der Küstenebene und dem dahinterliegenden Landstreifen fließen. Innerhalb der Stadt muss sich die Straßenführung der hügeligen Landschaft anpassen.
Die wichtigste Straßenverbindung Jerusalems ist die Autobahn nach Tel Aviv, in die anderen Richtungen bestehen Landstraßen. Besonders bemerkenswert ist die Straße an das Tote Meer, die auf ihrem Weg durch das Westjordanland 1200 Höhenmeter abfällt. Nördlich der Stadt befindet sich ein kleiner Flughafen, der nur Ziel von innerisraelischen Flugverbindungen ist. Von dort fliegt Israel Airlines Ltd. nach Tel Aviv, Elat und Rosh Pinna. Der internationale Flughafen für Jerusalem ist der Ben-Gurion-Flughafen
Seit 7. April 2005 verkehren nach siebenjähriger Unterbrechung wieder Züge der Israel Railways zwischen Jerusalem und Tel Aviv; die Gebirgsstrecke über Bet Schemesch wurde seit Juli 1998 saniert. Eine Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Jerusalem und Tel Aviv soll 2008 fertiggestellt werden.
Die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln erfolgt in erster Linie über Busse der staatlichen Busgesellschaft Egged, die samstags ihren Dienst einstellt. 2007 ist geplant, Jerusalems neues Straßenbahnsystem zu eröffnen.
Eine der bekanntesten und zugleich wichtigen innerstädtischen Straßen ist die Jaffastraße, die von der Altstadt in Richtung Tel Aviv führt. Sie ist eine wichtige Einkaufsstraße und war bereits mehrfach Schauplatz blutiger Attentate.
Bildung
Zu den bekannten Bildungseinrichtungen in der Stadt gehören die 1918 eröffnete Hebräische Universität von Jerusalem, die 1959 gegründete Israelische Akademie, das Planetarium, das Zionistische Zentralarchiv, die Gulbenkian-Bibliothek und die Jüdische Nationalbibliothek.
In der Stadt befinden sich zahlreiche religiöse Lehr- und Forschungsinstitute. Dazu gehören unter anderem die 1890 eröffnete École Biblique et École Archéologique Française, das 1927 gegründete Päpstliche Bibelinstitut und das 1963 eröffnete Institut der Jüdischen Religion.
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
- Hadsch Mohammed Amin al-Husseini, islamischer Geistlicher und palästinensischer arabischer Nationalist
- Flavius Josephus, jüdischer Feldherr und Geschichtsschreiber
- Eliahu Inbal, israelischer Dirigent
- Jigael Jadin, bedeutender israelischer Archäologe, Politiker und der zweite Generalstabschef der israelischen Armee, Zahal
- Abraham B. Jehoshua, israelischer Schriftsteller
- Kyrill von Jerusalem, Kirchenvater der Orthodoxie und Kirchenlehrer
- Isaak Luria, jüdischer Kabbalist
- Jutta Oesterle-Schwerin, deutsche Politikerin
- Natalie Portman, US-amerikanische Schauspielerin
- Rehabeam, erste König von Juda
- Ahmet Kutsi Tecer, türkischer Dichter und Politiker
- Theodor I. (Papst), Papst
- Wilhelm von Tyrus, Erzbischof von Tyros und Geschichtsschreiber des Mittelalters
Literatur
- Christoph Gerhard, Marco Polo Reiseführer Jerusalem, Stuttgart (Mairs Geographischer Verlag) 2001, ISBN 3895259284
- Hubel, Helmut/Seidensticker, Tilman (Hrsg.): Jerusalem im Widerstreit politischer und religiöser Interessen. Die „Heilige Stadt" aus interdisziplinärer Sicher, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-631-51057-8, 247 S.
- ein weiteres umfangreiches Verzeichnis wissenschaftlicher Literatur zu Israel/Jerusalem/Palästina, dem Salominischen Tempel zu Jerusalem, Templer allgemein, Papsturkunden, Kreuzzüge sowie der Ordensregel der Templer [http://www.osmth-landshut.de/Literatur.html]
Weblinks
- [http://www.igor-schestkow.de/de/fotos/index.html Igor Schestkow – Photos von Jerusalem]
- [http://www.goisrael.de Fremdenverkehrsamt Israel mit touristischen Informationen (dt.)]
- [http://www.jerusalem.muni.il Stadtverwaltung Jerusalem (engl.)]
- [http://news.bbc.co.uk/1/hi/in_depth/middle_east/2001/israel_and_the_palestinians/issues/1682594.stm BBC-Artikel über Jerusalem (engl.)]
- [http://www.geocities.com/martinkramerorg/TemplesinGerman.htm Die Tempel von Jerusalem im Islam] von [http://en.wikipedia.org/wiki/Martin_Kramer Martin Kramer]
- Alban Nikolai Herbst: [http://www.die-dschungel.de/ANH/download/download.php?URL=../txt/pdf/das_gelbe_licht_des_friedens.pdf/ Das Gelbe Licht des Friedens. Gänge durch das alte Jerusalem.] (DLF 2003).
- Portaal van de foto's van [http://www.jerusalemshots.com Jeruzalem]
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Palästina (Region)
Die Region Palästina (auch Canaan und Terra Sancta/Heiliges Land genannt, Filastīn, hebräisch: ארץ ישראל Eretz Jisra'el/Land Israel) liegt an der südöstlichen Küste des Mittelmeeres und umfasst ungefähr das Gebiet des heutigen Staates Israel, den Gazastreifen, das Westjordanland (Palästinensische Autonomiegebiete) sowie das Ostjordanland (heutiges Königreich Jordanien ohne die östlichen Wüstengebiete). Sowohl für Judentum und Christentum als auch für den Islam besitzt die Region eine besondere geschichtliche und religiöse Bedeutung.
Herkunft des Namens
Der Name Palästina bezieht sich auf das Volk der Philister, die ab ca. 1175 v. Chr. an der Mittelmeerküste des Landes Kanaan siedelten. Daher hieß der südliche Küstenstreifen (etwa heutiger Gazastreifen) in assyrischen Texten (8. Jhd. v. Chr.) "Pilaschtu". Der griechische Historiker Herodot (5. Jhd. v. Chr.) verwendet die Bezeichnung "Syria palaistine" für den gesamten Küstenstreifen zwischen Phönikien (etwa dem heutigen Libanon), dessen Südgrenze er vermutlich am Karmelgebirge zieht und der Gegend von Gaza, in der die Stadt Kadytis lag (s. Herodot III, 5). Das griechische "Palaistine" ergibt ins Lateinische übertragen: "Palaestina".
Dieser damals nicht mehr gebräuchliche Name wurde ab 135 n. Chr. durch die Römer für die gesamte Provinz Judäa ausgedehnt, quasi als Strafe für den fehlgeschlagenen 2. jüdischen Aufstand (132 - 135 n. Chr.). Auch Jerusalem wurde in "Aelia Capitolina" umgenannt. Juden war das Betreten der Stadt und ihrer Umgebung verboten. Im Laufe der Spätantike wurden auch einige Gebiete östlich des Jordan geographisch zur Provinz Palaestina gerechnet, die im 4. Jh. n. Chr. in drei Teile aufgeteilt wurde. Militärverwaltungstechnisch blieb Palaestina jedoch damals eine Einheit.
Als palästinisch wird alles bezeichnet, was auf die Gegend bezogen mit dem antiken Palästina zu tun hat, zum Beispiel "palästinische Juden". Palästinensisch hingegen bezieht sich auf die heutige arabische Bevölkerung Palästinas, beispielsweise in "palästinensischer Aufstand".
Geschichte
Anfänge
In der Region sind seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. Stadtstaaten nachweisbar. Hier trafen die Verkehrswege von drei Kontinenten aufeinander. Dadurch entwickelte sie sich zum Brennpunkt für religiöse und kulturelle Einflüsse aus Ägypten, Syrien, Mesopotamien und Kleinasien.
Ägyptische Vormacht
Durch die Einwanderung von Amoritern, Hethitern und Hurritern im 2. Jahrtausend v. Chr. sahen sich die Ägypter in ihrer Vormachtstellung bedroht und drängten diese Stämme zurück. Diese gingen im Volk der Kanaaniter auf.
Ab dem 13. Jahrhundert v. Chr. verlor Ägypten an Macht. Neue Einwanderer kamen in die Region, diesmal die Israeliten, eine Gruppe semitischer Nomadenstämme aus Mesopotamien, andere aus dem Sinai und den umliegenden Wüstenzonen (s.a. Hebräer/Habiru in ägypt. u. hurritischen Quellen) und die Philister, ein Volk wahrscheinlich indogermanischer Abstammung aus der Ägäis. Einiges deutet darauf hin, dass hebräische Stämme schon zusammen mit den Kyksos im 17. Jahrhundert v. Chr. nach Kanaan und Ägypten einwanderten und nach der Hyksoszeit aus Ägypten wieder verdrängt wurden und somit von Ägypten aus nach Kanaan einwanderten, mehr oder weniger kriegerisch.
Das vorstaatliche Israel
Die These der Amphiktyonie von Martin Noth
Eine der wichtigsten Thesen zum vorstaatlichen Israel ist die These der „Amphiktyonie“ von Martin Noth. Er geht in seinem Buch „Das System der zwölf Stämme Israels“ von dem im AT vielfach erwähnten Umstand aus, dass das vorstaatliche Israel als eine aus zwölf Stämmen zusammengesetzte Einheit gesehen wird, was letztlich darauf zurückgeführt wird, dass der Erzvater Jakob, der auch Israel heißt, zwölf Söhne gehabt habe, von denen zehn als Stammväter der zwölf Stämme Israel gelten – die Stammväter der zwei letzten Stämme sind Kindeskinder Jakobs (Gen 46, 1-26; 49,1-27 und Num 26,5-51).
Dieses für Israel und seine Umwelt in der Bibel bezeugte Phänomen ist von Noth mit der Erscheinung der Amphiktyonien in der gr. Welt verglichen worden.
Die Analogien sieht Noth in der Zahl zwölf bzw. sechs. Außerdem nimmt die Stellung eines Zentralheiligtums eine große Bedeutung für ihn ein. Dieses Heiligtum sieht er in der Bundeslade. Ferner weist er auf die Liste in Ri 10,1-5 die einen bestimmten Turnus intendiere. Schließlich sieht er im Bericht von sog. Landtag zu Sichem das entscheidende Ereignis in der Geschichte der altisraelischen Amphikyonie. Die Erweiterung von sechs auf zwölf Stämme und zugleich die Übernahme des JHWH-Glaubens.
Kritik an der These
Es hat im Laufe der Forschungsgeschichte immer wieder Kritik an dieser These gegeben. Dabei stellen sich folgende Fragen:
- 1. Kann eine geschichtliche Erscheinung eines bestimmten Lebens- und Kulturbereiches als Analogie überhaupt benutzt werden?
- 2. Fehlt nicht ein Name für den altisraelischen Stämmeverband?
- 3. Kann die mobile Lade als zentrales Kultheiligtum verstanden werden?
- 4. War der Stämmeverband die Bezugsgröße für die Richter, oder waren es eher die Städte und deren Einzugsbereich?
Die These von der segmentären Gesellschaft
Als alternative These gilt die These der segmentären Gesellschaft. Sie wurde vor allem von dem Ethnosoziologen E. Durkheim in seinem Buch „Regulierte Anarchie“ geprägt. Er vergleich die Gesellschaft des vorstaatlichen Israel mit der sozialen Struktur afrikanischer Stämme, die während der englischen Kolonialzeit beobachtet wurde. Entscheidend für diese Gesellschaft ist das Fehlen einer zentralen Spitze. Sie sind organisiert nach Stammesverbänden, die gleichrangig nebeneinanderstehen und zusammen die Gesellschaft bilden. Hierbei wirkt das Geschichtsbewusstsein entscheidend und konstitutiv. Vor allem die Bedeutung der Verwandtschaftsbeziehungen verbindet die Gesellschaften Afrikas und die des vorstaatlichen Israels auffallend. Allerdings steht die These in der Gefahr, die schriftlichen Quellen außer Acht zu lassen.
Fazit
So scheint eine Synthese aus mehren Theorien wie sie Schäfer-Lichtenberger vorschlägt plausibler. Wichtig erscheint hierbei allerdings, dass das für die vorstaatliche Zeit zu postulierende Einheitsbewusstsein Israels im wesentlichen durch eine religiöse Komponente zu definieren ist, verbunden mit einer Verpflichtung auf ein allgemein verbindliches Recht.
Ob es ein Einheitsbewußtsein in so früher Zeit gab, ist nicht bewiesen. Die Einheitsideologie ist vielmehr eine Einführung des 7. Jahrhunderts, das bemüht war die Stämme Israels, so wie sie nach der Assyrischen Zeit vorlagen zu sammeln und zu einen. Dazu gehörten auch einige inzwischen eingewanderte nichtisraelistischen Stämme. Der Mythos von den 12 Stämmen ist ein typischer äschatologischer Mythos, wie es ihn auch im alten Griechenland gab, der einzig dazu dient, die Zusammengehörigkeit und Abhängigkeit der Bevölkerung, den gemeinsamen Ursprung der Nation zu erklären. Er ist somit eine künstliche Konstruktion, die Zahl 12 vermutlich von rein magischer Beduetung, hinter der sich sowohl tatsächliche Verwandtschaft wie auch konstruierte und postulierte Zusammengehörigkeit verbirgt.
Das Israelitische Reich
Hauptartikel: Königreich Israel, Nordreich Israel, Juda (Reich)
Die Hauptquelle für die Geschichte Palästina ist das Alte Testament, das in seinen wesentlichen Teilen wohl während des "Babylonischen Exils" der hebräischen Oberschicht in Babylonien im 6. Jahrhundert entstand. Eine erste bedeutende Sammlung und Redaktion der Schriften erfolgte bereits im ausgehenden 8. Jahrhundert nach der Eroberung durch die Assyrer. Seine Angaben sind unter Historikern im einzelnen umstritten. Daneben gibt es heute umfangreiche Archäologische Erkenntnisse, die teilweise nicht mit den Berichten der Bibel übereinstimmen, aber geeignet sind, diese in einem neuen Licht zu analysieren und einzuordnen und eine Fülle außerbiblischer Zeugnisse, die ebenfalls zu den Berichten in Beziehung gesetzt werden.
Die Israelitenstämme wanderten demnach in das Gebiet teilweise wahrscheinlich schon einige Jahrhunderte vor der in der Bibel berichteten Versklavung in Ägypten (bis 1270 v. Chr.) ein. Josua eroberte 1230 v. Chr. Teile des damals Kanaan genannten Gebiets - soweit zumindest der Bericht des Alten Testaments. Kanaan lag im Einflußgebiet Ägyptens, im Sinai und im Süden befand man sich auf ägyptischem Gebiet. Das Ägyptische Joch könnte sich durchaus auf diese Tatsache beziehen, daneben ist es denkbar, daß kleine Gruppen von Hebräern am Nil in der Sklaverei oder als Untertanen tätig waren (Josefslegende), zumal in der Hyksoszeit. Die biblischen Berichte ziehen vermutlich solche Überlieferungen zusammen.
Die moderne Forschung geht davon aus, dass es eine Wieder-Einwanderung der Israeliten in Palästina mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht gegeben hat. Der biblische Bericht von Exodus und Landnahme ist nach Ansicht der Mehrheit der Wissenschaftler eine literarische Fiktion. Viele der Städte, deren Einnahme das Alte Testament schildert, lagen zur fraglichen Zeit längst in Ruinen oder existierten noch nicht. Der archäologische Befund belegt hingegen, dass die Israeliten einheimische Beduinenstämme waren, die die Schwächeperiode der Städte und Ägyptens um 1200 ausnutzen und die Siedlungen einnehmen konnten.
Die Historizität der biblischen Angaben wird heute von dem größeren Teil der Gelehrten bezweifelt. Kaum bezweifelt wird jedoch, dass die biblischen Schriften tatsächlich archaisches Material enthalten oder auf solchem basieren, deshalb sind sie nach wie vor für Historiker interessant.
Die Israeliten organisierten sich nach diesen Berichten als ein lockerer 12-Stämmebund um ein jeweiliges Stammesheiligtum. In Zeiten der Gefahr waren die Stämme unter Führung eines Richters zu gegenseitiger Hilfe verpflichtet (Buch der Richter). Diese Richter waren sporadisch berufene charismatische Führergestalten. Man glaubte, dass Gott in Zeiten der Gefahr einen Menschen mit besonderen Fähigkeiten austattet (salbt), um dem Volk zu helfen. Ihre Macht war nicht, wie bei Stammesoberhäuptern, durch ihre Herkunft begründet, und auch nicht erblich. Das hebräische Wort schofet, welches traditionell mit Richter wiedergegeben wird, bedeutet eigentlich "der zum Recht verhilft". Eine juristische Tätigkeit ist damit nicht unbedingt gemeint.
Der Kampf gegen die Philister erwies sich allerdings als besonders schwierig. Diese hatten an der südlichen Mittelmeerküste einen aus fünf Stadtstaaten bestehenden Bund gegründet und fielen von dort ins Landesinnere ein. Sie waren militärisch besser organisiert und setzten bereits Eisenwaffen ein, so dass die Israeliten um 1050 v. Chr. eine schwere Niederlage erlitten. Die Bedrohung durch die Philister veranlasste die Israelitischen Stämme dazu, sich zu vereinigen. Es entstand der Wunsch, die Herrschaft einer charismatischen Führergestalt zu "veralltäglichen".
Der erste König wurde Saul, er führte vermutlich ein Stadtkönigtum um Hebron. Er konnte sich zeitweise gegen die Philister behaupten, letztlich aber wurde er von ihnen geschlagen. Sein Nachfolger David besiegte die Philister um 1000 v. Chr. und eroberte den Thron Sauls. Er war von 1004 bis 965 der König des Reiches. Die Erstarkung Israels und die Schwäche der angrenzenden Reiche ermöglichten es David, einen großen, unabhängigen Staat zu schaffen, dessen Hauptstadt er nach Jerusalem verlegte. Das Reich hatte – glaubt man der Bibel – etwa die vierfache Größe des heutigen Israel. Nach den Archäologischen Befunden und weiteren Quellen wird es sich um ein eher kleines Reich um Jerusalem gehandelt haben. Die wesentlich bedeutenderen Städte und Stadtstaaten des Nordens sind vermutlich nie unter die Vorherrschaft Jerusalems gekommen.
Unter der Herrschaft von Davids Sohn und Nachfolger König Salomo genoss das Land eine Zeit des Friedens und des Wohlstandes. Nach Salomos Tod im Jahr 922 v. Chr. weigerten sich die nördlichen Stämme den Sohn Salomos als neuen König anzuerkennen. So soll das Reich wieder zerfallen sein. Das Israel im Norden mit dem Hauptheiligtum Sichem, nahm in der Folge, auf Grund der politischen Schwäche der Großreiche Ägyptens und Assyriens unter der Omridendynastie einen enormen Aufschwung. Juda im Süden blieb hingegen so unbedeutend, daß Assyrien es später nichteinmal angreifen wird. Die politische Unabhängigkeit und Blütezeit vor allem des Nordreiches Israel wärte über 200 Jahre.
Die umliegenden Reiche erstarkten und fingen an, sich erneut auszudehnen. Vor allem Assyrien begann im ausgehenden 8. Jahrhundert die wohlhabenden Städte des Nordens anzugreifen und besiegten das Nordreich Israel zwischen 722 und 721 v. Chr. Die Bevölkerung wurde an den Euphrat deportiert und Assyrer wurden angesiedelt. Die Bevölkerung nannte man von nun an nach der Hauptstadt Samaria Samaritaner.
Jerusalem mit dem Staat Juda wurde nicht angegriffen und konnte in der Folgezeit wachsen. Als die Macht der Assyrer schwand, war die Chance gekommen von Jerusalem aus unter der ideologischen Führung der Jawehpriesterschaft und dem König Josia das Land wieder zu einigen. Es gab starke Bemühungen die heterogenen Bevölkerungsgruppen und Stämme über die alten Traditionen zu einen und auf die israelitische Vergangenheit einzuschwören, was aber nur teilweise gelang. In dieser Zeit hat die Biblische Schrift ihre erste umfassende Redaktion erfahren. Die alten Geschichten und Bücher wurden zusammengetragen und unter einer nationalen Ideologie redaktionell bearbeitet mit dem Ziel ein einiges Königreich Israel zu schaffen. Das gelang nur zum Teil. Nach über 100 Jahren erstarkte Babylon zur Großmacht und versuchte die Macht Jerusalems zu brechen.
Das Südreich Juda wurde 586 v. Chr. durch die Babylonier unter Nebukadnezar II. besiegt und die Bevölkerung nach Babylon umgesiedelt. Jerusalem wurde zerstört und die meisten der dort lebenden Juden verbannt. Die Juden im babylonischen Exil konnten ihre nationale und religiöse Identität bewahren. Hier liegen die Wurzeln des Judentums mit der Neubildung der Synagoge. Als Kyros der Große von Persien Babylon 539 v. Chr. erobert hatte, erlaubte er den Juden nach Judäa zurückkehren und gab ihnen eine relative Selbständigkeit. Die Juden bauten die Stadtmauern von Jerusalem, der Stadt Davids, wieder auf.
Literatur
- Clauss, Manfred: Das alte Israel, München 1999.
- Finkelstein, Israel/Silberman, Neil A.: Keine Posaunen vor Jericho. Die archäologische Wahrheit über die Bibel, 5. Aufl., München 2003.
Hellenistische Herrschaft
Im Jahr 332 v.Chr nahm Alexander der Große die Region in Besitz ohne auf nennenswerten Widerstand zu stoßen. Er ließ die Eroberung von Generälen zuende bringen, die auch die Grundlage für die hellenistische Herrschaft schufen. Nach dem Tode Alexanders (323 v.Chr) wurde das Land von Kriegen um das Erbe überzogen und wechselte mehrfach den Besitzer. 301 fiel es Ptolemaios I. von Ägypten zu und blieb bis 200 v.Chr. unter ptolomäischer Herrschaft, allerdings nicht unangefochten. Die Seleukiden, eine andere mazedonische Dynastie erhob ebenfalls Ansprüche.
Eine Auswirkung der Hellenistischen Herrschaft war die Veränderung der ethnischen Zusammensetzung der Bevölkerung. Bis zur Eroberung des Landes lebten in der Region Juden, Phönizier, Samariter, Edomiter und Nabatäer in ihren angestammten Gebieten. Das Landesinnere war vorwiegend von den Juden und Samaritern bewohnt, die nördliche Küstenebene von Phöniziern, der Süden von Nabatäern, die die Edomiter etwas nach Norden abgedrängt hatten. Dazu kamen die griechischen (mazedonischen) Besatzer, die sich hier ansiedelten.
Die hellenistische Kultur färbte besonders auf die Städte ab, die sich die sozialen Verhaltensweisen der Polis zueigen machten. Am stärksten passten sich die Phönizier an. Die Orte im Landesinneren behielten dagegen weitestgehend ihren semitischen Charakter. Obwohl das ptolomäische Regime hohe Steuern erhob, erlaubte es eine zügellose Ausbeutung und Versklavung der Einheimischen nicht.
Die Region profitierte in dieser Zeit von der wirtschaftlichen Blüte, die das Ptolemäerreich gerade erlebte. Die Handelsbeziehungen dehnten sich aus und in die Landwirtschaft wurden neue Methoden eingeführt.
Im 2. Jahrhundert v. Chr. revoltierten die Juden jedoch unter Führung der Makkabäer gegen die Seleukiden. Sie errichteten zwischen 141 und 63 v. Chr. einen unabhängigen jüdischen Staat, bis das Land von Pompeius für Rom erobert wurde und zu einer römischen Provinz wurde, die von jüdischen Königen regiert wurde.
Römische Herrschaft
Zwei weitere jüdische Aufstände wurden in den Jahren 66 bis 73 und 132 bis 135 n. Chr. trotz aller Entschlossenheit niedergeschlagen. Nach dem zweiten Aufstand wurden viele Juden getötet oder als Sklaven verkauft. Der Tempel in Jerusalem wurde zerstört und für den Großteil der Juden begann die Diaspora. Judäa wurde von den Römern in Syria Palaestina umbenannt, um die Verbundenheit der Juden mit der Region und die Erinnerung an das jüdische Königreich abzubrechen.
Palästina erlangte neue Bedeutung, als der römische Kaiser Konstantin I. das Christentum 313 zur religio relicita (= gleichberechtigten Religion) erklärte. Seine Mutter Helena besuchte Jerusalem, und Palästina wurde nun das Heilige Land der Christen. Es folgte ein Zeitalter, geprägt durch Wohlstand, Sicherheit und eine kulturelle Blüte, in der der größte Teil der Bevölkerung christianisiert wurde. Die byzantinische Herrschaft wurde durch eine persische Besetzung (614-629) unterbrochen und endete, als muslimische Araber in Palästina einfielen und 638 Jerusalem eroberten.
Islamisierung
Im Jahr 638 wird Jerusalem von der Armee des zweiten Kalifen Omar Ibn al-Chattab erobert. 691 errichten die Muslime auf dem Tempelberg den Felsendom. Es folgten 1.300 Jahre muslimische Präsenz in der Region, die auf arabisch Filastin genannt wurde. In dieser Zeit wurde Jerusalem nach Mekka und Medina zur drittwichtigsten Stadt des Islam.
Die muslimische Religion wurde der Bevölkerung jedoch nicht aufgezwungen. Es dauerte mehr als 100 Jahre, bis die Mehrheit der Bevölkerung zum Islam konvertiert war.
Die Region profitierte nun vom Handel des Reiches und von seiner religiösen Bedeutung während der ersten Kalifendynastie der Umayyaden von Damaskus, unter denen die arabischen Eroberungen ihren Höhepunkt erreichten. Nachdem die Abbasiden im Jahr 762 Bagdad zum politischen Zentrum gewählt hatten, nahm die Bedeutung Palästinas ab. Das Gebiet war wiederholt Schauplatz von Kämpfen und wurde von Seldschuken, Fatimiden (siehe Kalifat) und europäischen Kreuzfahrern beherrscht. Palästina profitierte jedoch auch von den Errungenschaften der muslimischen Welt, als diese ihr goldenes Zeitalter der Wissenschaft, Kunst, Philosophie und Literatur erlebte. Erst unter den Mamelucken brach die Weiterentwicklung Palästinas ab.
Mit dem Beginn der Kreuzzüge und der Errichtung der Kreuzfahrerstaaten im Jahr 1099 wurde der Konflikt zwischen Islam und den Nachfolgestaaten des Weströmischen Reiches nach Palästina getragen.
Osmanische Herrschaft
Weströmischen Reiches
Die osmanischen Türken besiegten die Mamelucken 1516 und beherrschten Palästina mit kurzen Unterbrechungen 400 Jahre lang. Das Land war in verschiedene Bezirke unterteilt. Den christlichen und jüdischen Gemeinden wurde ein großes Maß an Autonomie zugebilligt. Während des 16. Jahrhunderts erlebte Palästina eine erneute Blüte bis zum Abstieg des Osmanischen Reiches im 17. Jahrhundert. Während dieser Zeit der osmanischen Herrschaft war Palästina nur dünn bevölkert und stagnierte wirtschaftlich. Am Anfang des 19. Jahrhunderts lebten zwischen 275.000 und 300.000 Menschen im Land. 90% von ihnen waren muslimische Araber, 7.000 bis 10.000 Juden und 20.000 bis 30.000 christliche Araber. Zwischen 1831 und 1840 dehnte Muhammad Ali Pascha (türkisch Mehmed Ali), Vizekönig und Begründer des modernen Ägypten, seine Herrschaft über Syrien aus.
1881, zu Beginn der jüdischen Einwanderung lebten 457.000 Menschen in Palästina. 400.000 waren Muslime, 13.000-20.000 Juden und 42.000, meist griechisch-orthodoxe Christen. Hinzukamen einige tausend Juden, die zwar dauerhaft in Palästina lebten, aber keine osmanischen Bürger waren. Die im Lande wohnenden Juden (der alte Jischuw), sowohl Sepharden als auch Aschkenasi, waren meist Orthodox und recht arm; sie wurden von Glaubensgenossen aus dem Ausland unterstützt. Siedlungszentren waren die vier heiligen Städte Jerusalem, Hebron, Safad und Tiberias. Etwa ein Drittel der Bevölkerung lebte um diese Zeit in Städten. Jerusalem zählte 30.000 Seelen (davon waren die Hälfte Juden), Gaza 19.000, Jaffa 10.000 und Haifa 6.000.
Von der Ankunft der ersten jüdischen Einwanderer in den Achtzigerjahren des 19. Jahrhunderts
gingen Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes aus. In den folgenden Jahrzehnten wanderten – auch deshalb – viele weitere Menschen, Juden wie Araber, in Palästina ein.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts suchten zahlreiche Juden aufgrund des zunehmenden Antisemitismus und Pogromen in Europa eine neue Heimat. Die erste Masseneinwanderung (Alija) von Juden nach Palästina erfolgte um 1882. Diese Einwanderer waren in erster Linie Juden, die vor politischer und religiöser Unterdrückung aus ihren Herkunftsländern geflohen waren.
Im Jahre 1897 berief Theodor Herzl den ersten Zionistenkongress in Basel ein und legte damit einen wichtigen Grundstein für die spätere Gründung eines jüdischen Staates. Erst bei der zweiten Einwanderungswelle spielte der Gedanke des Zionismus eine Rolle. Im religiösen und historischen Bewusstsein der Juden (und abgeschwächter Weise im Bewusstsein des Okzidents) war Israel immer das "Heilige Land" geblieben, das mit der Bibel und der Geschichte des jüdischen Volkes verbunden ist. Die Bedürfnisse der arabischen Bevölkerung spielten in dieser Tradition kaum eine Rolle. Führende Zionisten waren sich der Problematik allerdings bewusst und strebten neben einer internationalen Legitimation, die zweifelos von der Denkweise des Kolonialismus geprägt war, auch eine Einigung mit den Arabern an. Im 19. Jahrhundert engagierten sich europäische Staaten auf der Suche nach Rohstoffen und neuen Absatzmärkten im Nahen Osten. Auch strategische Interessen spielten eine Rolle.
Nach Angaben der "Jewish Colonization Association" für das Jahr 1903 lebten im Jahre 1898 5200 Juden in Palästina in landwirtschaftlichen Mustersiedlungen (Siehe auch "Altneuland", 1904 Heft 11, Seite 339).
1898
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts besaßen viele Landbewohner nicht mehr ihren eigenen Grund, sondern bestellten ihn als Pächter. Beinahe alle Großgrundbesitzer (Effendis) waren Stadtpatrizier, einige lebten außerhalb des Landes, viele in Beirut, Damaskus und Paris.
Zwischen 1904 und 1914 erfolgte die zweite Alijah. Bereits im Jahre 1909 wird mit Tel Aviv die erste moderne jüdische Stadt gegründet.
Erster Weltkrieg und die Balfour-Deklaration
Tel Aviv
Aufgrund des Eintrittes des Osmanischen Reichs in den 1. Weltkrieg auf seiten der Mittelmächte ging Großbritannien von der Politik ab, das Osmanische Reich als Bollwerk gegen die Ausbreitung Russlands zu erhalten. In der Balfour-Deklaration 1917 wurde das Wohlwollen der britischen Regierung für eine jüdische Heimstatt in Palästina erklärt. 1916 wurde jedoch im geheimen Sykes-Picot-Abkommen mit Frankreich und dem zaristischen Russland eine Vereinbarung über die Aufteilung des Osmanischen Reichs getroffen, welche die Bolschewiki 1918 publizierten. In einer dritten Vereinbarung (der Hussein-McMahon-Korrespondenz 1915/1916) wurde den Arabern die Selbstständigkeit versprochen, wenn sie Großbritannien im Kampf gegen die Türken unterstützten.
Durch den Sieg der Briten im 1. Weltkrieg wurde 1917 die osmanische Herrschaft beendet. Von Ägypten her eroberte General Allenby Südpalästina. Nach der Kapitulation des Osmanischen Reichs besetzten Großbritannien und Frankreich die von ihnen im Sykes-Picot Abkommen ausgehandelten Gebiete: Frankreich den Libanon und Syrien; Großbritannien Palästina und den Irak. Der Amerikanische Präsident Thomas Woodrow Wilson vertrat die Auffassung, Gebietsgewinne durch den Weltkrieg sollten möglichs verhindert werden. Allerdings war man der Ansicht, die vorher von den unterlegenen Mächten kontrollierten Länder nicht sich selbst überlassen zu können. Die Lösung, die von dem damaligen südafrikanischen Premier Jan Christiaan Smuts vorgeschlagen wurde, war die Einrichtung eines Mandats in diesen Gebieten. Palästina gehörte wie Syrien in die Kategorie A, das heißt die Unabhängigkeit war ein mittleres Ziel, die Staaten wurden als relativ entwickelt angesehen aber noch nicht reif für diesen Schritt.
Auf der Völkerbundkonferenz von San Remo 1920 wurde Palästina von den Siegermächten Großbritannien als Mandatsgebiet übertragen. Im Jahre 1922 übertrugt der Völkerbund auf der Friedenskonferenz von Paris Großbritannien das Mandat für Palästina für das Gebiet, das heute gemeinsam von Israel und Jordanien eingenommen wird. Zu den Mandatsbedingungen gehörte, dass die Briten die Verwirklichung der Balfour-Deklaration ermöglichen sollen, in der sie am 2. November 1917 die "Gründung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk" versprochen hatten, deren Grenzen jedoch nicht bestimmt waren. Hierzu wurde die Mandatsmacht aufgefordert, die jüdische Einwanderung zu ermöglichen, diese jüdischen Einwanderer geschlossen anzusiedeln und hierfür auch das ehemalige osmanische Staatsland zu verwenden. Es sollte dabei ausdrücklich dafür Sorge getragen werden, dass "nichts getan werden soll, was die bürgerlichen und die religiösen Rechte bestehender nichtjüdischer Gemeinschaften in Palästina oder die Rechte und die politische Stellung, deren sich die Juden in irgendeinem anderen Lande erfreuen, präjudizieren könnte".
Britisches Mandat
Das Völkerbundsmandat für Palästina wurde vom Völkerbund am 24. Juli 1922 verabschiedet. Am 16. September 1922, also noch vor Inkrafttreten des Mandats, hatte die Regierung des Vereinigten Königreiches den Völkerbund davon in Kenntnis gesetzt, dass das Gebiet jenseits des Jordans (südlich des See Genezareth, 78 Prozent des Gesamtfläche) nicht zum Mandat Palästina gehören wird. (Sie setzten damit eine Empfehlung Winston Churchills vom 3. Juni 1922 um). Juden war es im Folgenden nur noch erlaubt, sich westlich des Jordan anzusiedeln (das heißt in 22 % des Gesamtareals). Dies machte die Hoffnungen nach einem Israel in den Grenzen der Zeit des Königs David und Salomon zunichte. Verantwortlich für die Gebiete wird das Kolonialminsterium in London, zu dieser Zeit unter Winston Churchill. Dieser entschied auch bei einem Besuch in Jerusalem im Jahre 1921, den Sohn des Königs von Saudi-Arabien, Abdallah ibn al-Hussain zum Emir des östlichen Teils des Mandatsgebietes zu ernennen (Transjordanien). Zunächst wurden Transjordanien und Palästina noch als Verwaltungseinheit mit einheitlichen Mandatsgesetzen, der gleichen Währung und gleichen Mandatspässen betrachtet (siehe auch: Weißbuch von 1939). Mit der Unabhängigkeit Transjordaniens im Jahre 1946 wurde das Palästina der britischen Mandatszeit allerdings endgültig geteilt.
Das nicht eingehaltene Versprechen der arabischen Unabhängigkeit richtet den bisher anti-osmanischen arabischen Nationalismus gegen die Mandatsmächte. Die im Zusammenhang mit der Balfour-Deklaration zunehmende Anzahl jüdischer Einwanderer werden von den Arabern als Helfer der neuen Kolonisatoren aufgefasst.
Jabotinsky Aufstand
Es kommt während des Nebi Musa Festes im Jahre 1920 zum so genannten Jabotinsky Aufstand, der sich gegen eine Demonstration jüdischer Immigranten wendet. Dabei werden 9 Juden getötet, und 22 schwer verletzt. In diesem Zusammenhang wird der später als „Großmufti von Jerusalem“ bekannt gewordene Haddsch Muḥammad Amīn al-Husainī zu zehn Jahren verurteilt, ein Jahr später jedoch freigelassen und mit Billigung der neu eingerichteten britischen Zivilregierung zum „Großmufti“ von Palästina – er wurde nicht offiziell dazu ernannt, der Gouverneur bedeute ihm lediglich, dass die Briten nichts dagegen tun werden, wenn er sich an den Schreibtisch seines kürzlich verstorbenen Halbbruders setzen werde; dieser war der einzige, der jemals den Titel des Großmufti bekam.
Die Ziele der arabischen Bevölkerungsmehrheit waren ein arabischer Staat in dem gesamten Gebiet mit eingeschränkter (oder unterbundener) jüdischer Einwanderung. In diesem Staat sollten Juden allenfalls einen Minderheitenstatus (siehe Dhimmi) bekommen. Der Landkauf durch Juden sollte unterbunden werden. Diese Position wird im Wesentlichen noch heute von der Hamas vertreten, die PLO gab sie 1993 auf.
Das Ziel der jüdischen Bevölkerungsminderheit war eine Forcierung der Einwanderung, ein möglichst großer jüdischer Staat und, zu diesem frühen Zeitpunkt, eine Beibehaltung des Mandats. Diese positive Einstellung änderte sich in den 1930er- 1940er Jahren. Zwischen 1924 und 1932 kam es zur vierten Immigrationswelle, von 1933 bis 1939 kam die fünfte, wodurch die jüdische Bevölkerung in Palästina stark wuchs.
Arabischer Aufstand
In den folgenden Jahren kam es immer wieder zu Unruhen, die die britische Mandatsmacht stellenweise unter großen Druck setzte und zu Zugeständnissen an die Araber zwang. Als es 1921 zu ersten Aufständen kam, wurde die jüdische Einwanderung erstmals minimal eingeschränkt und als in den Jahren 1936-1939 der große arabische Aufstand die Briten herausforderte, wurde die jüdische Einwanderung komplett verboten. Die Problematik der eingeschränkten Einwanderung kritisierte Chaim Weizmann vor der Peel-Kommission folgendermaßen: :"In diesem Teil der Welt (Europa) gibt es 6.000.000 Menschen (...) für die die Welt geteilt ist in Orte, an denen sie nicht leben können, und Orte, die sie nicht betreten können."
Peel und Woodhead Kommission
Im Jahre 1937 legte die britische Peel-Kommission erstmals einen Teilungsplan vor, der, gemäß der prozentualen Bevölkerungsverteilung, Galliläa und einen Küstenstreifen als israelischen und den größeren Rest als arabischen Teil vorsah. Dieser Vorschlag wurde von den Arabern abgelehnt. Die jüdische Seite war gespalten, die Mehrheit zu der auch Golda Meir gehörte lehnte den Vorschlag ab, aber eine starke Minderheit um David Ben Gurion sah in diesem Kleinststaat die Basis für eine spätere Expansion, Zitat: "...nachdem wir eine große Macht aufgebaut haben, werden wir die Teilung des Landes beseitigen und über ganz Erez Israel expandieren" (Brief an seinen Sohn); "Das Ja zur Teilung verpflichtet uns nicht zum Verzicht auf Transjordanien" (Ben Gurion,Memoiren Bd.4, S.151) Die Teilung des Landes wurde von der Woodhead-Kommission, die 1939 das MacDonald Weißbuch veröffentlichte, wieder verworfen. Mit dieser Politik versuchte das Vereinigte Königreich die Araber als Bündnispartner zu gewinnen. Wie es McDonald ausdrückte: "Die Araber können sich den Nazis anschließen die Juden nicht". Das Weißbuch wurde von den im Lande lebenden Juden abgelehnt, da es die Auflösung der Selbstverteidigungseinheiten, wie etwa der Hagana verlangte.
Zweiter Weltkrieg
Im 2. Weltkrieg kämpften schließlich 27.500 jüdische Soldaten aus Palästina in der britischen Armee, diese bildeten später einen wichtigen Teil der israelischen Armee. Männer wie Dajan oder Rabin kämpften etwa gegen das vom Vichy-Regime verwaltete Syrien. Zu Kampfeinsetzen in Deutschland kam es jedoch kaum. Ben Gurion vertrat das Konzept des Palästino-Zentrismus, das davon ausging, in Europa nicht handlungsfähig zu sein. Gleichzeitig versuchten die Juden deshalb die illegale Einwanderung zu verstärken und somit den europäischen Juden einen Fluchtort zu geben, denn zwischen 1939 und 1944 konnten nur 15.000 legal einwandern.
Die Araber hofften während des Krieges zu großen Teilen auf einen Sieg Deutschlands, bekanntestes Beispiel ist Al-Husseini, der eng mit Nazi-Deutschland kooperierte. Auch in Ägypten gab es pro-Deutsche Bestrebungen, die etwa von Anwar as-Sadat unterstützt wurden. Im Jahre 1941 kam es etwa zu einem pro-deutschen Putschversuch im Irak.
In den letzten Kriegsjahren versuchte Ben Gurion die Kontakte in die USA zu verbessern, die er als neue Macht im Nahen Osten aufsteigen sah, während bei Chaim Weizmann der Fokus weiterhin auf dem Vereinigten Königreich lag.
Nach der Schoah
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs stellte sich die Frage nach dem zukünftigen Status Palästinas und der jüdischen Einwanderung erneut. Earl G. Harrison sollte im Auftrag Harry S. Trumans Großbritannien davon überzeugen, die Lage der Juden zu verbessern. Die Briten lehnten jedoch ab und wollten den USA das Mandat übertragen. In der Folge wurde das Anglo-American Committee of Inquiry gegründet, das vorschlug, zumindest 100.000 Juden die Einreise zu ermöglichen, das Mandat 10 weitere Jahre fortzusetzen und Verhandlungen zwischen Palästinensern und Juden zu beginnen. Das Komitee tagte an mehreren Orten und hörte viele Zeugen, zu denen auch Albert Einstein gehörte. Abermals machten die Briten die Entwaffnung der jüdischen Einheiten, unter ihnen der Hagana zur Voraussetzung, was abermals abgelehnt wurde. Die Folge dieser Politik war ein bewaffneter Aufstand der drei größten Gruppen Hagana, Irgun und Lechi gegen militärische Ziele der Briten. Zwischen September 1945 und Juli 1946 wurden Landebahnen, Kasernen, Eisenbahnlinien, aber keine zivilen Ziele angegriffen. Die Leitung der Operationsabteilung unterstand Golda Meir. Die Hagana versuchte mit allen Mitteln die illegale Einwanderung zu verstärken, attackierte britische Radaranlagen, die den Schiffsverkehr überwachten und befreite Flüchtlinge aus den Internierungslagern. Die Briten internierten zeitweise mehrere 10.000 Holokaust-Flüchtlinge auf Zypern. Leon Uris verarbeitete dies in seinem Roman Exodus dessen Hauptperson Ari Ben Canaan zumindest teilweise auf Jitzchak Rabin basiert. Im Jahre 1946 begann die britische Armee mit massiven Schlägen gegen die jüdischen Untergrundbewegungen. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich 100.000 Mann der britischen Armee in Palästina. Es gab Ausgangssperren in den größeren Städten und das Gebäude der Jewish Agency wurde durchsucht und Akten beschlagnahmt. 4.000 Juden, unter ihnen etwa Mosche Scharet und Jitzchak Rabin wurden verhaftet. Meir wurde als Frau verschont und Ben Gurion hielt sich gerade in Frankreich auf. Als Antwort darauf planten die drei großen Untergrundorganisationen einen Anschlag auf den Südflügel des King David Hotel in Jerusalem, in dem sich das Hauptquartier des Vereinigten Königreichs befand, auch um die beschlagnahmten Akten zu vernichten. Im letzten Moment zog die Hagana zurück und der Irgun unter Führung des späteren Premierministers Menachem Begin führte die Aktion alleine aus. Obwohl die Briten von ihnen gewarnt wurden und auch eine Nachrichtenagentur sowie die Jerusalem Post, als auch die Franzosen informiert worden waren, kamen bei dem Anschlag 91 Menschen ums Leben. Die Briten hatten sich geweigert, vor Terroristen zurückzuziehen. Die Opfer waren zumeist Araber und Juden, nur relativ wenige Briten waren betroffen. Chaim Weizmann war entsetzt von der Aktion und die Widerstandsbewegung nam mit ihr ein Ende.
Seit Mai 1946 verfolgte Ben Gurion eine neue Strategie um Druck auf die USA auszuüben. Er förderte nach Pogromen etwa in Polen die Einwanderung von osteuropäischen Juden nach Deutschland, Österreich und Italien, damit diese in den Einflussbereich der Amerikaner kämen und diese damit zum Handeln zwängen. Dies wurde als die Bricha-Bewegung bekannt. Die Hagana begann, osteuropäische Juden schon in Deutschland im Hebräischen zu unterrichten. Im Lande wurden jüdische Siedlungen an strategisch wichtigen Orten eingerichtet. Beispielsweise wurden an Jom Kippur 1946 zehn Siedlungen im Nördlichen Negev gegründet. Gleichzeitig begannen die Vorbereitungen für den Krieg. Man begann militärisch nicht mehr in kleinen Einheiten wie im Widerstand gegen die Mandatsmacht zu denken. Wichtige Organisatoren der Hagana zu dieser Zeit waren Mosche Sneh, Jisrael Galili und Jaakow Dori; Chef der Operationsabteilung der Hagana war Jigael Jadin.
Es ist unter Historikern immernoch umstritten wer oder was den Rückzug der Briten letztlich bewirkte. Es gab unbestreitbar wichtige britische Interessen in der Region. Die Interessen der Briten in diesem Gebiet lagen insbesondere in der Mittellage zu Indien begründet. Und tatsächlich, als Indien 1947 geteilt und unabhängig wurde, versuchte das Vereinigte Königreich das Mandat erst an die USA dann an den Völkerbund zurückzugeben. Ein wichtiger Punkt waren die Ölreserven der Region - eine Pipeline ging etwa von dem Irak in den wichtigen Hafen Haifas. Die Lage des Landes am Mittelmeer und in relativer Nähe zum Sueskanal war ebenfalls von strategischer Bedeutung. Der britische Generalstab sah die Region deshalb für den Fall eines dritten Weltkrieges als unverzichtbar an. Allerdings waren sich die Briten der Tatsache bewusst, das sie weder von Juden noch von Arabern im Land gewünscht waren. Sie erkannten, dass zumindest die Juden im Land bereits ein halbstaatliches Gebilde, mit regem kulturellen Leben aufgebaut hatten. Das militärische Engagement war zudem sehr kostspielig, auch kam es zu nicht unerheblichen Verlusten an Menschenleben. Die öffentliche Meinung im Königreich stand dem Mandat, besonders aufgrund der Meldungen über den jüdischen Widerstand, zunehmend ablehnend gegenüber. Hinzu kam der Druck der USA, die die unmenschliche Behandlung der Holocaustflüchtlinge kritisierte. Die Abhängigkeit des Königreiches von amerikanischer Wiederaufbauhilfe in Milliardenhöhe gerade nach dem harten Winter wird deshalb sicherlich eine Rolle gespielt haben.
UNSCOP
Die UNSCOP unter dem schwedischen Juristen Emil Sandstrom folgte die Ereignisse des Exodus-Zwischenfalls und sprach sich in überwältigender Mehrheit für eine Teilung des Landes aus. Nur Jugoslawien, Indien und der Iran sprachen sich für einen föderalistischen Staat aus. Im April 1947 schließlich schlugen die UNO in einem Teilungsplan die Gründung eines jüdischen und eines arabischen Staats vor. Dem gingen intensivste diplomatische Bemühungen der jüdischen Palästinenser, angeführt von Abba Eban voraus. Während Westeuropa und der Sowjetische Block der Teilung zustimmten, musste die dritte Welt und der südamerikanische Block überzeugt werden. Die südamerikanischen Staaten, unter Einfluss des Vatikans, wollten schließlich nur einem Plan zustimmen, der Jerusalem unter internationale Verwaltung stellte. Dies wurde von den Juden schweren Herzens akzeptiert. Die Zustimmung Trumans war wegen intensiven Drucks aus dem amerikanischen Außen- und Verteidigungsministerium nicht sicher, obwohl er die amerikanische Bevölkerung hinter sich wusste. Truman setzte sich nach Lobbyarbeit Weizmanns jedoch immerhin dafür ein, die Negev-Wüste dem jüdischen Staat zuzuschlagen. Das britische Commonwealth enthielt sich der Stimme.
UN-Teilungsplan
Die Palästinafrage wurde von dem damaligen Generalsekretär Trygve Lie als bedeutender Testfall für die Zukunft der Organisation angesehen. Am 29. November 1947 stimmte die Generalversammlung der Vereinten Nationen mit Zweidrittelmehrheit (31 pro, 13 contra, 10 Enthaltungen, 1 abwesend) für den Teilungsplan, der Westpalästina in einen jüdischen und arabischen Staat teilen sollte. Jerusalem sollte unter internationale Verwaltung kommen und die beiden Staaten sollten in einer Wirtschaftsunion zusammengefasst werden. Mit dem Ziel, tatsächlich einen unabhängigen jüdischen Staat zu gründen und den Überlebenden der Schoa eine Heimat zu schaffen, akzeptiert die jüdische Bevölkerung den Plan. Die Araber lehnten den Plan dagegen ab und es kam zu ersten kriegerischen Auseinandersetzungen, die als die erste Phase des Unabhängigkeitskrieges interpretiert werden können. Wichtige Ziele für die Juden waren dabei, die Straßen, besonders jene zwischen Jerusalem und Tel Aviv, offen zu halten, sowie für den Schutz jeder einzelnen Gemeinde zu sorgen, damit diese nicht aufgegeben werden mussten. Die Hagana musste allerdings immer noch illegal operieren und die Amerikaner und Briten verhängten ein Waffenembargo. Die Briten zeigten sich auch sonst wenig kooperationsbereit, indem sie sich weigerten Urkunden und andere legale Papiere zu übergeben und die UN nicht ins Land ließen.
Die Strategie der Hagana war zu dieser Zeit nur defensiv, Vergeltungsschläge sollten, aus Angst die internationale Unterstützung kurz vor der Staatsgründung nicht zu verlieren, nach Willen der Führer um Ben Gurion nur mit Begrenzung ausgeführt werden.
Am 9. April 1948 kam es allerdings zu einem Massaker in dem palästinensischen Dorf Deir Jassin. Der Ort wurde von Truppen des Irgun Menachem Begins angegriffen, also nicht der Hagana, die der politischen Mitte zuzurechnen war. Zwischen 107 und 120 Palästinens | | |